Was ist Nuklearmedizin?

Die Nuklearmedizin ist ein relativ junges Fachgebiet.
Sie beschäftigt sich mit der Anwendung offener radioaktiver Stoffe zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken am Menschen.

Mit nuklearmedizinischen Methoden können physiologische und biochemische Prozesse bzw. krankhafte Veränderungen zum einen für das Auge sichtbar gemacht und damit lokalisiert werden, zum anderen lässt sich der Umfang der Funktionsstärung gleichzeitig quantifizieren.
Da häufig Funktionsveränderungen den morphologischen Veränderungen vorauseilen, ist eine sehr frühzeitige Krankheitsdiagnostik möglich, noch bevor sich Veränderungen in der Röntgendiagnostik oder im Ultraschall finden (Beispiel: Osteomyelitis = Knochenmarksentzündung).
Die Nuklearmedizin hat somit ihren Schwerpunkt in der Funktionsdiagnostik, d.h. die Aussagekraft nuklearmedizinischer Bilder liegt in der bildlichen Darstellung der Fehlfunktion (=Krankheit).

In der nuklearmedizinischen Diagnostik bekommen Patienten eine sehr geringe Menge einer radioaktiven Substanz verabreicht. Diese so genannten "Radiotracer" werden in den meisten Fällen einfach über eine gut zugängliche Armvene – vergleichbar mit einer Blutabnahme beim Hausarzt - verabreicht und verursachen praktisch keine Nebenwirkungen. Der Radiotracer wird nach Verabreichung auf seinem Weg durch den Körper mit einer hochempfindlichen Kamera beobachtet und verfolgt.
Durch natürlichen Zerfall sowie durch Ausscheidung über die Harnwege und den Darm erfolgt eine rasche Elimination der Radiotracer aus dem Körper.
Die bei verschiedenen nuklearmedizinischen Untersuchungen auftretenden Strahlenbelastungen liegen im Rahmen der aus der Röntgendiagnostik bekannten Belastungswerte, zum Teil sogar deutlich darunter.
Mit modernen hochauflösenden Kamerasystemen und entsprechender Abbildungssoftware lassen sich zwischenzeitlich detaillierte Aufnahmen des menschlichen Körpers mithilfe der Gamma-Kamera anfertigen.